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Verschiedene kulturelle Modelle werden vom
Menschen dazu verwendet, die unterschiedlichen Vorgänge in seinem Leben
zu erklären. Das Studium einer Kultur, um genauer zu sein seiner Modelle,
hängt mit dem Erlernen des Mechanismus zusammen, mit dessen Hilfe sich
die Individuen, die Gruppen oder die Gesellschaft in einer Welt, die
sonst undurchsichtig bleiben würde, orientieren.. Die existentiellen
Probleme, die man hierbei antrifft sind ganz unterschiedlich. Man findet
sie in jeder Gesellschaft. Die sich sehr zurückhaltenden Antworten, sind
menschlich und trotzdem unterschiedlich. Das Bedürfnis jeden Einzelnen
zu identifizieren, ist eine Notwendigkeit, die auf der ganzen Welt
allgegenwärtig ist.
Es gibt sechs Möglichkeiten eine Person auf Bali genauer zu bezeichnen:
Vorname, Name, der abhängig ist von der Geburtenfolge, Geburtstermine
der Verwandtschaft, Teknonyme, Bezeichnungen, die den Status angeben (normalerweise
die “Kastenbezeichnung’, was nicht so erlaubt ist), öffentliche Titel
oder Ämter. Man sieht mal wieder, dass die Balinesen nicht die
Einfachheit lieben...
Die Vornamen:
In diesem Bereich spielt die symbolische Rangfolge die am wenigsten
komplexe Rolle und ist auch unter sozialen Gesichtspunkten betrachtet (obwohl
man sie gerne beschreiben möchte), nicht so wichtig. Alle Balinesen
haben einen Vornamen, aber dieser wird von ihnen nur sehr selten
verwendet. Die Vornamen werden aus willkürlichen Silben gebildet und
haben überhaupt keine Bedeutung. Der Vorname ist das, was immer bleibt,
während alle anderen, mehr nachvollziehbaren Personenbezeichnungen, die
viel offensichtlicher waren, verschwunden sind. Man muss dies mit aller
Stärke betonen, damit sie nicht komplett verschwinden!
Die Namen richten sich nach der Geburtenfolge:
Hier sind die Namen in einer nicht abänderbaren Reihenfolge, die von
allen Balinesen, die etwas auf sich halten verwendet werden: der Erste
ist Wayan, der Zweite ist Nyoman, der Dritte ist Made oder Nengah; der
Vierte ist Ketut; der Fünfte ist Wayan!; der Sechste ist Nyoman., und so
weiter. Für ein Paar sind die Geburten eine kreisförmige Reihenfolge von
Wayan, Nyoman, Made, Ketut..., ein unendlicher Kreis, der nach vier
Malen erneut beginnt.
Die Geburtstermine der Verwandtschaft:
Die Terminologie der balinesischen Verwandtschaft wird “per Generation”
festgelegt. Das bedeutet, dass das Individuum seine Eltern in Klassen,
gemäß deren Stellung in deren Generation einteilt und daraus seine
eigene definiert. Man erhält eine Generalübersicht, die aus
verschiedenen chronologischen Lagen an Elterngenerationen besteht (die
der Eltern oder Kinder, der Großeltern oder der Enkelkinder...).Diejenige
mit der man zu rechnen beginnt, nämlich die eigene, liegt in der Mitte.
Es handelt sich hierbei vor allem um eine Sprache, die in Kategorien
einteilt. Sie ist nicht vorgesehen für eine Konfrontation und in der
Praxis wird sie sehr selten verwendet. Trotzdem ist eine Tatsache jedoch
aufschlussreich hinsichtlich des balinesischen Persönlichkeitsgefühls:
in der dritten Generation oberhalb oder unterhalb des Sprechers werden
die Bezeichnungen umgekehrt. ”Kumpi” bezeichnet gleichzeitig den
Urgroßvater und den Urenkel. Symbolisch gesehen kann ein Mann nach oben
hin mit seinem am weitesten entferntesten Vorfahren und nach unten mit
seinem am entferntesten gelegenen Nachfahren verwechselt werden, die er
vielleicht schon mal in seinem Leben gesehen hat. Ein Mann betet nur
seine Götter an oder was das gleiche ist sein Älteren, nicht
seinesgleichen oder jüngere. Ein Urgroßenkel wird nicht während der
Bestattungszeremonie für seinen Urgroßvater beten, der gerade verstorben
ist. Sie sind gleich. Sie sind beide Kumpi!
Die Namen, die sich nach den Nachkommen richten:
Sobald das erste Kind eines Paares einen Namen erhalten hat, wird der
Name der Eltern zukünftig in “Vater von”, “Mutter von”, umgewandelt bis
der erste Enkel zur Welt kommt. Dann werden sie “Großvater von” und
Großmutter von” genannt. Der Name eines Individuums ändert sich also
drei Mal in seinem Leben. Danach wird er wieder zu Kumpi und der
Kreislauf beginnt von vorn! Auf Bali bestimmt also die Zeugung den Namen
(im Gegensatz zu uns, wo die Ehefrau bei der Heirat den Namen ihres
Mannes annimmt). Symbolisch erklären sich die Begriffe Ehefrau und
Ehemann über ihre gemeinsame Beziehung zu ihren Kindern bzw.
Enkelkindern oder Urenkeln. Der Name wird also nicht durch die Aufnahme
der Ehefrau in die Familie des Ehemannes bestimmt. Das Paar “Vater
Mutter” (und nicht “Ehefrau Ehemann”) ist der Eckpfeiler der
balinesischen Gesellschaft. Die Sitze in der Ratsversammlung eines
Dorfes werden deshalb an Elternpaare vergeben. Eine Einzelperson, die
keine Kinder hat (was sehr selten vorkommt...), bleibt juristisch
gesehen ein Kind, was seinen Angehörigen peinlich ist. Sie vermeiden es
mit ihm darüber zu streiten. Die Individuen finden sich also in der
“Schicht der Zeugenden” wieder. Das Wichtigste an dieser
Gesellschaftsform ist die Vermehrung und die Fähigkeit die Gemeinde in
dieser Form aufrecht zu erhalten. Die Balinesen empfinden ihre
Lebensstadien nicht gemäß der biologischen Alters, sondern sie sind
abhängig davon in welcher sozialen Generation man sich befindet. Ein
Individuum wird nicht gemäß seiner Vorfahren, sondern seiner Nachkommen
eingestuft. Das verbindet den Urgroßvater von Made, den”Großvater” von
Made und den “Vater von Made”. Sie sind alle an der Zeugung von Made
beteiligt, egal ob es direkt oder indirekt erfolgte. Sie vereint aber
auch das gemeinsame Interesse daran die herkömmliche balinesische
Lebensform und insbesondere die Aufrechterhaltung ihrer Dörfer.
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