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Der Balinesische Kalender oder
die unbewegliche Gegenwart:
©Bali Authentisch
Der balinesische Kalender unterteilt die Zeit
in genau festgelegte Einheiten. Nicht um sie zu zählen oder sie
zusammenzufassen, aber um sie genau zu beschreiben. Damit werden ihre
unterschiedlichen Bedeutungen, die sie im sozialen, intellektuellen oder
auch religiösen Leben, einnehmen deutlich gemacht.
Der erste Kalender basiert auf dem Zusammenspiel verschiedener
unabhängiger Zyklen, die Veränderungen unterliegen und die die
Tagesnamen bestimmen. Es existieren 10 verschiedene Kreisläufe mit
Tagesnamen, die ein bis zehn tage umfassen. In jedem Zyklus gibt es
unterschiedliche Namen und alle Kreisläufe bewegen sich gleichzeitig.
Rein theoretisch könnte irgendein Tag 10 verschiedene Namen tragen, die
ihm gleichzeitig gegeben werden (ein Name pro Zyklus). Glücklicherweise
sind für uns lediglich die Kreisläufe von fünf, sechs oder sieben Namen
wichtig. Ein Tag, der gleichzeitig mit drei Namen betitelt wird, also
aus einer Kombination von drei verschiedenen Kreisläufen seine Namen
erhält, erscheint alle zweihundertzehn Tage (5x6x7=210). Dieses System
sagt Ihnen zwar nicht welchen Wochentag wir haben, aber um welche Art
von Tag es sich handelt. Für die Balinesen wird die Zeit in zwei
Kategorien eingeteilt: die mit Aktivitäten angefüllten Tage (es sind die
“Gelegenheiten” oder die Tage “an denen viel passiert”) oder die
“leeren” Tage , an denen Nichts oder fast Nichts geschieht und die sie
als “Löcher” bezeichnen. Die Hauptanwendung dieses Kalenders findet
statt bei der Festlegung von Zeremonien in den Tempeln. Vor allem in der
Bestimmung des Odalan, der manchmal fälschlicherweise als “Geburtstag”
übersetzt wird, aber eher eine “Erscheinung” oder “ein plötzliches
Auftauchen” bezeichnet. Er bezeichnet den Tag, an dem die Götter aus dem
Himmel herabsteigen, um in den Tempeln zu wohnen und sie wieder zu
beleben (und nicht die Erinnerung an dessen Errichtung...). Da die
Mehrzahl der Balinesen mindestens ein halbes Dutzend Tempel besuchen,
versteht man, dass es in ihrem geistigen Leben sehr stürmisch zugehen
muss. Es besteht kein Rhythmus zwischen den Tagen mit einer Fülle von
Aktivitäten und den Tagen an denen Nichts geschieht.
Der zweite auf Bali verwendete Kalender richtet sich nach der Sonne und
dem Mond. Er besteht aus zwölf Monaten, die einen Namen haben. Der
Wechsel findet immer bei Neumond statt. In diesem System, das eine
grundsätzliche, nicht metrische Einteilung, vornimmt wird Ihnen gesagt,
welcher Tag heute ist bzw. um welche Art von Tag es sich handelt. Der
Mond bestimmt nicht den Kalender, sondern spiegelt ihn lediglich wider.
Von unserer Sichtweise aus betrachtet, ergibt dies folgende
Konzeptionen: Der Mensch wird seiner Persönlichkeit beraubt (vgl. “Die
Definition des Individuums auf Bali”) und aus dem Zeitkonzept wird das
Zeitempfinden genommen. Man könnte dieses Phänomen folgendermaßen
zusammenfassen: die Auslöschung des biologischen Alterungsprozesses
lässt eine der Hauptquellen der Zeitwahrnehmung versiegen. Die
Ereignisse, die zwischen zwei Menschen geschehen, haben nicht mehr die
Anmutung eines vorübergehenden Prozesses. Die Gesellschaft wird
standardmäßig von den Meisten als stabil betrachtet. Auf diese Art und
Weise wird eine unbewegliche Gegenwart geschaffen.
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