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Auf Bali gibt es drei Arten von Priestern:
Zuallererst ist der Pedanda zu nennen, der
immer eine Brahmane und der Priester der fürstlichen,
hindo-javanisierten Gesellschaft ist. Er muß schon in seiner Jugend eine
Weihe erhalten. Üblicherweise ist der Sohn der ersten Frau eines Pedanda.
Von Kindesbeinen an wird er durch seine Ausbildung und eine
beispielhafte Führung auf sein Amt vorbereitet. Dies alles geschieht
unter der Aufsicht eines Meisters, dessen Wort zugleich Wahrheit und
Gesetz ist. Es ist dieser Meister, der sowohl die Weihe Als Auch die
Priesterweihe vornimmt. Drei Monate nach der Priesterweihe muß der junge
Priester eine Art Prüfung über „die Schriften und die Riten“ ablegen.
Erst nach dieser Prüfung hat der Priester das Recht, sein Amt mit allen
damit verbundenen Vorrechten auszuüben. Seine Aufgaben sind ursprünglich
die des indischen Brahmanen am Hof: er istPriester, Lehrmeister und
Vermittler des Segens. Seine hauptsächliche Aufgabe besteht darin, das
Weihwasser („Tirta“) vorzubereiten, welches in der balinesischen
Religion eine so wesentliche Rolle spielt, dass diese „Agama Tirta“
genannt wird, die Religion des geweihten Wassers. Nachdem der Pedanda
ein Bad genommen und sich mit bestimmten Kleidungsstücken bekleidet hat,
setzt er sich mit übergeschlagenen Beinen vor einen niedrigen Tisch, auf
dem sich folgende Dinge befinden: Blumen, Reiskörner, Sandelholzpulver,
eine Gebetsglocke, ein Gefäß mit Weihwasser, ein Öllampe und ein
Weihrauchfaß. Der Pedanda beginnt damit, sich die Hände zu waschen,
wobei er Mantras (Anrufung Siwas) ausspricht. Anschließend gibt er sich
einige Zeit lang den Atembewegungen des Yoga hin . Er weiht das Wasser
ein erstes Mal, indem er mit Hilfe eines geweihten Kräuterzweiges die
Silbe „a-u-m“ darüber beschreibt und Blumen in das Wasser streut, um so
Siwa und seine weihende Kraft einzuladen, in das Wasser einzudringen.
Anschließend weiht der Pedanda die Gebetsglocke, welche er von nun an
unaufhörlich läutet. Darauf folgt eine zweite Weihung des Wassers,
welche gekennzeichnet ist durch die Einheit des Priesters mit Siwa. Nach
einer Zeit weiteren Yogas und weiterer Meditationen, welche von Gebeten
begleitet werden, verläßt der Gott schließlich den Priester. Der Pedanda
lebt in erster Linie vom Verkauf des geweihten Wassers. Nimmt er an
einer Sudrazeremonie teil, so zeigt er auf symbolische Art seine
Stellung gegenüber der Volksreligion: er ist ein Ehrengast, der mit
Achtung behandelt wird, der aber im Wesentlichen außerhalb dieses Kultes
bleibt. Im Gegensatz dazu ist seine Anwesenheit unabdinglich, wenn es
sich um eine fürstliche Zeremonie handelt, bei welcher er der wirkliche
Zelebrant ist. Es gibt zwei Arten von Pedandas: den Pedanda Siwa (siwaistisch)
und den Pedanda Boda (buddhistisch). Es handelt sich immer um dieselbe
Religion, innerhalb derer die Unterschiede lediglich auf die Rituale,
die geweihten Gegenstände und die in den Mantras angerufenen Götter
abzielen. Im Gegensatz zum Pedanda Siwa bleibt der Pedanda Boda über die
äußerlichen Fragen der Jugend und der Ernährung erhaben: er bevorzugt
es, seine Heiligkeit, seine Einheit mit dem Göttlichen durch seine
Selbstbeherrschung zum Ausdruck zu bringen. Als Repräsentanten zweier
gegensätzlicher Welten sind sowohl der eine als auch der andere
unentbehrlich, und beide Gruppen nehmen an den Zeremonien des Hofes
teil.
An zweiter Stelle ist der Pemangku zu nennen.
Er ist der Priester der Volksreligion und kann einer jeglichen Kaste
angehören, ist üblicherweise jedoch ein Sudra. Er ist der Wächter des
Tempels und der Vorsteher seiner Riten, sowie der Liturgie, die sich
außerhalb der höfischen Umgebung vollzieht. Im Gegensatz zum Pedanda
ist, der Pemangku nicht geweiht. Oftmals wird er von den Götter ernannt,
beispielsweise durch den Mund einer sich in einem Trancezustand
befindenden Person. Im Bezug auf seine Ausbildung und seine Kenntnisse
der alten Schriften ist er dem Pedanda im Allgemeinen weit unterlegen,
aber sein Amt läßt ihn dem Volk wesentlich näher kommen.
Der Sengguhu schließlich ist verantwortlich für
das chthonische Ritual und hält das Amt des Exorzisten inne. Er darf
kein Brahmane sein. Alle Opfer der Unterwelt fallen in sein Ressort und
er unterhält ein sehr spezielles Verhältnis zu Wisnu. Während der
Zeremonien hält er sich in einem Pavillon auf, der niedriger als der des
Pedandaist und der in nördliche Richtung weist, in die Himmelsrichtung
des Gottes Wisnu. Man ging davon aus, dass der Sengguhu der Nachkömmling
einer Art Priesters war, der einer vichnuistischen Sekte angehörte, die
allerdings heute nicht mehr bestehen soll. Er soll seine Rolle in den
chthonischen Elementen einiger Feste aus diesen vergangenen Zeiten
gerettet haben können.
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