Was alle balinesischen Tempel gemeinsam haben
ist, daß sie sich grundsätzlich von den indischen Tempeln unterscheiden.
Auf Bali gibt es keine Statuen der angebeteten Götter und Göttinen in
einem heiligen Raum, doch es gibt ein Allerheiligstes, das aus einem Hof
ohne Dach besteht und von einer Mauer umschlossen ist. Hier findet man
mehrere Bauten aus Stein, zu denen die Götter bei bestimmten Zeremonien
hinabsteigen. Es handelt sich um Sitze oder leere Nischen, und um Türme,
die wie Pagoden aussehen. Die Türme („Meru“) bestehen immer aus einer
ungeraden Anzahl von Stockwerken und stellen den Berg Meru aus der
indonesischen Mythologie dar. Das Wesentliche der balinesischen Tempel
ist dieser heilige Hof. Diese Höfe sind die Weiterentwicklung der
vorhinduistischen indonesischen Altarräume, wo die Götter und die
vergöttlichten Ahnen in Steindenkmälern, die im Zentrum des heiligen
Ortes aufgestellt waren, wohnten.

Die einfachste Form einer Kultstätte ist der Haustempel („Sanggah“ oder
„Pemerajan” bei den höheren Kasten). Er umfaßt viele kleine Bauwerke aus
Bambus oder Ziegelsteinen. Das wichtigste dieser Bauwerke ist die
Sanggah Kamulan („Schrein des Ursprungs”), die dem Ahnenkult geweiht
ist. Sie besteht aus drei Teilen : die beiden äußeren Erhebungen sind
den männlichen und weiblichen Vorfahren geweiht, die mittlere dem
Sonnengott (Batara Guru, der wiedergeborene Siwa), der als der mythische
Ur-Vorfahr gilt und der dem Teil der Familie, der noch auf der Erde
lebt, erlaubt mit jenen, die schon bei Gott sind, Kontakt zu halten.
Nicht weit von der Sanggah Kamulan findet man die Ngurah, dem Beschützer
der Erde, und Taksu, Bote der Götter und Vermittler zwischen ihnen und
den Menschen, geweihten Opfersäulen. Ein anderer Schrein ist dem Herrn
von Gunung Agung gewidmet.
Die Haustempel stehen zum einen mit dem zentralen Tempel, wo die Ahnen
der Großfamilie („Pura Kawitan“) verehrt werden, und zum anderen mit dem
Tempel der Vorfahren des Stammes („Pura Dadia“) in Verbindung. Die
Dörfer selbst sind in ein Netz von wichtigeren Tempeln eingefügt, die
Kahyangan Tiga genannt werden : der Tempel des Ursprungs oder „Pura
Puseh“, der sich auf der Kaja Seite befindet und den Kontakt zu den
vergötterten Wesen erlaubt, der Tempel des Rates oder „Pura Bale Agung“,
der den Angelegenheiten der irdischen Welt gewidmet ist und im Zentrum
steht, und der Tempel der Toten oder „Pura Dalem”, der sich auf der
Kelod Seite befindet und den Kontakt mit den unterirdischen Wesen
herstellt (zur Unterscheidung Kaja/Kelod finden Sie mehr in dem Artikel
„Der Kosmos, seine Unterteilungen und seine Regeln”).
Die königlichen Tempel besitzen zwei weitere Altarräume, die in den
Haustempeln fehlen: der Tempel des Staates oder „Pura Penataran”, dazu
bestimmt den Wohlstand des Königreiches aufrecht zu erhalten, und der
Tempel der Ahnen oder „Prasada”, Ort der Begegnung mit den zu Göttern
gewordenen Mitgliedern der Dynastie.
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