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Die Einäscherung („Ngaben“, „Palebon“) ist das bekannteste und zugleich
spektakulärste der religiösen Feste auf Bali. Die Ursprünge dieses
Festes sind hinduistisch, aber durch viele nichthinduistische Elemente
unterscheidet sich die balinesische Zeremonie der Einäscherung sehr
stark von der, welche in Indien zelebriert wird. Die gesamte
Gemeinschaft nimmt an der Zeremonie teil und es werden üblicherweise
große Geldsummen für dieses Fest aufgebracht. Es handelt sich bei der
Einäscherung lediglich um einen Teil einer langen Abfolge von Riten,
welche dazu dienen, die Toten nach und nach möglichst vollständig von
jeglichen weltlichen und physischen Makeln reinzuwaschen, um ihnen so
das Tor zur himmlischen Welt der Ahnen zu öffnen. Ist die Läuterung
perfekt, so werden die Toten zu Göttern und verlieren so ihre
Persönlichkeit (mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem
Artikel „Die Definition der Person auf Bali“). Um die Läuterung zu ihrer
Perfektion zu führen, können mehrere Stufen erforderlich sein. Der
Begriff „Pirata“ bezeichnet die Seelen derjenigen, die noch nicht
eingeäschert wurden, „Pitara“ die Seelen derjenigen, deren Einäscherung
lediglich eine teilweise Läuterung bewirkt hat. Üblicherweise werden die
Toten auf Bali unverzüglich beerdigt. Wenn die Einäscherung beschlossen
ist, versammelt sich die gesamte Familie entweder im Tempel der Toten
oder auf dem Friedhof und teilt den Seelen mit, dass die Einäscherung
vorbereitet wird. Nun werden die Toten wieder ausgegraben, allerdings
nicht zwangsläufig, um verbrannt zu werden. Denn für die Toten, die
schon beerdigt wurden, greift man oftmals auf Bildnisse zurück, welche
anstelle des Leichnams eingeäschert werden. Diese Bildnisse werden von
der Seele des Toten bewohnt, dessen Körper mit Hilfe von viel Weihwasser
reingewaschen wird. Die Zeremonie der Einäscherung erstreckt sich
genaugesagt über drei Tage. Der erste Tag der Zeremonie dient dazu, den
Leichnam des Verstorbenen mit geweihtem Wasser zu reinigen. Während des
zweiten Tages, dient der Beschaffung der Opfergaben, von denen einige
sehr hohe Konstruktionen sind. Der dritte ist der Tag der Einäscherung.
Nun wird der Leichnam in einen Totenturm („Bade“) gelegt, der bei großen
Zeremonien, eine Höhe von duzenden von Metern erreichen kann. Diese
Türme sind häufig sehr künstlerisch und ihre Herstellung ist
dementsprechend sehr teuer. Sie symbolisieren den Mount Merupakan, das
Universum. Der Sockel dieses Turms stellt die Unterwelt dar und liegt
auf einem Gestell aus Bambus, getragen auf den Schultern von manchmal
Hunderten von Männern getragen wird. Darüber findet sich üblicherweise
der mythische Vogel Garuda, welcher den Teil des Turmes ziert, der für
die menschliche Welt steht. Dieser Teil des Totenturmes ist derjenige,
in den der Leichnam in einen Hohlraum gelegt wird. Die dritte Ebene des
Turmes setzt sich zusammen aus einer ganzen Reihe von Dächern – immer in
ungerader Zahl -, deren Anzahl den Grad des Adels des Toten
repräsentiert. Ausschließlich der König von Klunkung hatte das Recht auf
die maximale Anzahl von elf Dächern. Die Einäscherung eines Pedanda
verläuft identisch, allerdings hat der Totenturm in diesem Fall kein
Dach. Denn der Priester hat schon zu Lebzeiten eine Einheit mit Siwa
erreicht und benötigt daher keine reinigenden Riten, wie sie für den
gewöhnlichen Sterblichen erforderlich sind.
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